Freitag, 2. Oktober 2009

An der Copa, Copacabana...

'The Games of the XXXI. Olympiad are awarded to the city of ... Rio de Janeiro!' So verkündete es Jacques Rogge um 18.50 im Kopenhagener Bella Center und weltweit verfolgten Millionen Menschen an den Fernsehgeräten sowie in Rio, Madrid, Tokyo und Chicago auch auf Leinwänden die Bekanntgabe der Ausrichterstadt.

Bereits seit dem frühen Morgen hatten sich die Bewerberstädte in einer jeweils 70minütigen Präsentation dem IOC vorgestellt und als am besten geeigenet gepriesen. Unterstützung erhielten sie dabei von Staatschefs, gekrönten Häuptern und erfolgreichen Sportlern, egal ob Olympioniken oder nicht. So flog für die Präsentation Chicagos eigens Präsident Obama für 5 Stunden ein, schüttelte Hände, leistete Lobbyarbeit und warb für seine Heimat. Allein, genützt hat es nichts; das Aus kam bereits in Runde 1. Auch der neue japanische Ministerpräsident und das Prinzenpaar ließen es sich nicht nehmen, die Vorzüge der Inselmetropole zu preisen - auch hier ohne Erfolg, die wenigsten Stimmen in Runde 2. Mit Madrid und Rio de Janeiro waren nun die zwei vermeintlichen Aussenseiter als letzte Kandidaten im Rennen. Auf der einen Seite warben König Juan Carlos und Frau Sofia, auf der anderen Staatspräsident Lula da Silva und Pélé. Den Ausschlag gab wohl aber kein persönlicher Einsatz, sondern die schonungslose Darstellung einer einfachen Wahrheit: auf einer Weltkarte zeigte das Bewerbungskommitee von Rio de Janeiro die Anzahl der Olympischen Sommer- und Winterspiele, die jedem Kontinent bisher zugesprochen wurden. Und bei Afrika und Südamerika klaffte jeweils eine große Lücke. Einen IOC, das seinem Universalitätsanspruch gerecht werden will, wird damit keine Wahl gelassen. Eine Entscheidung gegen Rio de Janeiro wäre eine Entscheidung gegen die Schwellenländer dieser Welt. Und nachdem bereits die FIFA mit der Vergabe der Fussballweltmeisterschaft nach Südafrika Neuland betreten hatte, vollzog nun auch das IOC diesen Schritt und benannte mit Rio de Janeiro eine Stadt auf dem 5. Kontinent als Ausrichterstadt. Ob tatsächlich dieses Argument den Ausschlag gab, ist freilich nicht nachprüfbar. Aber es scheint wahrscheinlich. Und die konsequente Frage ist: Warum auch nicht? Es gibt keine ernsthaften Einwände, die schwerwiegender wären als die Probleme der anderen Bewerberstädte. Also bleibt nun 7 Jahre lang abzuwarten, ob Rio de Janeiro seinen Versprechungen Leben einhauchen kann.
Estadio Juao Havelange
Estadio Maracana
Aufmerksame Beobachter machen noch eine weitere Feststellung, denn Rio de Janeiro ist nun nicht nur Ausrichter der Olympischen Spiele 2016, sondern hat auch bereits im letzten Jahr den Zuschlag für die Austragung der Fussballweltmeisterschaft der Männer 2014 erhalten. Und damit ist Rio lediglich die vierte Stadt, die sich in die Riege der Ausrichter der beiden größten Sportveranstltungen der Welt mit nur 2 Jahren Abstand einreiht. Das erste Mal schafften das Mexiko Stadt/Mexiko(1968/70), es folgten München/Deutschland (1972/74) und zuletzt Atlanta/USA (1994/96). Schneller aufholen im internationalen Vergleich kann man wohl nicht...

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