Dienstag, 20. Oktober 2009

ROBBIE!


Wie überrascht war ich doch, als ich sah, dass ein Robbie-Williams-Konzert live in einem hallischen Kino übertragen werden soll. Umso mehr, nachdem ich sah, dass es überhaupt nur 4 Städte in Deutschland geben würde, in denen das der Fall ist. (God save us Light Cinemas!) Kurz überlegt und schnell entschlossen haben Jana, Jule, ein paar andere Mädels und ich uns dann die nicht ganz billigen Karten zugelegt. Man gönnt sich ja sonst nix.



Im Kino erweckten Atmosphäre und vor allem Andrang schnell das Gefühl eines echten Konzerts und nicht bloß einer Übertragung. Schon eine halbe Stunde vor Einlass wurde gedrängelt und um die besten plätze geschachert. Nach erfolgreichem Platzkampf und angespannten Warten begann das Spektakel dann. Den Auftakt bildeten einige Lieder aus Robbies kommendem Album 'Reality Killed The Video Star', allen voran die erste Singleauskopplung und aktuelle Nr. 1 der deutschen Charts, 'Bodies'. Die ersten Eindrücke waren jenseits der Erwartungen: Robbie sah gut aus, fit, klar, nicht aufgedunsen wie noch vor kurzem. Seine Stimme war kräftig, er traf die Töne. Die Arrangements waren erstklassig. Streicher, Bläser, eine Opernsängerin. Es könnte also alles großartig sein, wenn die Auswahl der Titel stimmt.

Und hier ein erster Kritikpunkt: die ausgewählten Songs des neuen Albums waren eher langsam. Sie luden zum Kopfnicken ein, aber nicht zum Tanzen und Swingen. Das schlug sich auch im Saal nieder. Die Stimmung war mies. Man klatschte artig nach jedem Song, von hinten kam auch mal ein Jauchzer. Das junge Mädel neben mir bildete eine Ausnahme, sie bekam bei jedem Lied einen Orgasmus. Schön für sie, aber auch für mich, denn so herrschte zumindest in meiner Reihe ein wenig Stimmung. Auch Jule und Jana sangen und klatschten mit, wackelten in den Sitzen, im Rahmen des Möglichen eben. Aufstehen und tanzen wäre möglich gewesen, vermutlich aber wäre von hinten das Popcorn geflogen gekommen. Hallisches Publikum eben.

Damit man mich aber nicht falsch versteht: die Lieder waren gut. 'Morning Sun' ist eine schöne Ballade, keine der ganz langsamen Sorte, aber eben nicht passend für so ein Konzert. 'Deceptacon' hat einen großartigen Text, aber zu Text kann man nicht tanzen. Das seiner Freundin gewidmete 'Won't Do That' ist ein die vielleicht beste vertonte Liebeserklärung der letzten Jahre und lies die Mädels ringsum vor Neid grün werden. Aber es passt eben nicht in so ein Konzept. Einzige Ausnahme bildete da das georgemichaely (wie er es nannte) 'Starstruck'. Bass und Gitarre, ein bisschen Beat, gut produziert. Dazu hätte man tanzen können. Wäre man nicht in Halle gewesen. Zwischendurch immer mal ein Hit. Zuerst 'Come Undone', dann 'Supreme'. Schön. Leider aber die beiden Singles, die ich am wenigsten mochte und mag. Als Gegenstück kam dann aber auch noch 'No Regrets', meine Lieblingssingle. Ich gab alles was ging, sang also mit und wippte mit dem Bein. Ich wollte ja kein Popcorn abbekommen. Außerdem noch 'Feel' und 'Angels', Publikumslieblinge eben. Nach kurzer Pause kam er nochmal auf die Bühne für zwei Zugaben. Das erste Lied war 'Millenium'. Ganz ohne Zweifel ist es ein wirklich guter Song, das beste daran aber ist ganz klar das aus 'You Only Live Twice' (Nancy Sinatra) geklaute Intro und das klingt live und mit echten Streichern noch um Welten besser. Während ich also innerlich über das Intro jubelte, freute sich der Rest des Saals über das Lied an sich. Warum auch nicht. Danach setzte er sich eine Brille auf, die sehr an die hässlichen Zeiten Elton Johns erinnerte. Die ersten gespielten Noten verrieten jedoch, dass ein anderes Cover folgen würde. Und auch wenn es offensichtlich war, es kam doch überraschend: 'Video Killed The Radio Star' (The Buggles, 1979), die Hymne der Generation MTV, wurde kraftvoll umgesetzt und klang einfach richtig, richtig gut. Und auch das Publikum wurde tatsächlich wach, sang lauthals mit und machte die allenfalls lautmalerisch zu beschreibenden Laute nach. Alles wieder nur im Sitzen, leider. Aber so ein Stimmungstitel hätte eben auch viel früher kommen müssen und nicht, wie sich dann herausstellte, als letztes Lied. Nun also war das abrupte Ende erreicht, Robbie verließ die Bühne. Das Publikum allerdings war noch nicht befriedigt, blieb vorerst sitzen. Vergebens, das Licht ging an, die Leinwand aus.

Und so verlassen wir das Kino mit gemischten Gefühlen. Zum einen war Robbie wirklich gut. Er ist noch immer der Entertainer, der die Massen begeistern kann. Es geht im gut, vermutlich wird er aus diesem Auftritt die Kraft schöpfen, die er für eine Tour im nächsten Jahr braucht. Auf der anderen Seite aber stehen die nicht erfüllten Hoffnungen, dass es eine große Party wird. Die Schuld daran tragen die Songauswahl und das Publikum. Auch war es mit 90 Minuten etwas kurz, aber in 90 Minuten hätte man an sich eben auch wirklich viel reißen können. Und so fassen die Worte von Janas Schwester eigentlich alles zusammen: 'Die letzten beiden Lieder, das war Robbie.'

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