Donnerstag, 1. Oktober 2009

Wo trifft sich die Jugend der Welt 2016?



4 Jahre ist es her, dass London knapp vor Paris und Madrid den Zuschlag für die Ausrichtung der Olympischen Spiele 2012 bekommen hat. Eine der Kandidatenstädte - Madrid - versucht morgen wieder ihr Glück. Die Konkurrenz ist dabei auch diesmal groß: mit Chicago, Rio de Janeiro und Tokyo kommen 3 weitere Metropolen von 3 weiteren Kontinenten ins Rennen hinzu.

Experten sagen, dass es wohl die knappste Entscheidung seit Jahren geben wird, auf echte Favoriten mag sich keiner festlegen. Ein erster Anhaltspunkt könnte die offizielle Bewertung der Konzepte durch das IOC sein. Dabei rangieren die Bewerberstädte in folgender Reihenfolge: Tokyo (8.3), Madrid (8.1), Chicago (7.0) und zuletzt Rio de Janeiro (6.4).
Während Tokyo also scheinbar die beste Ausgangsposition hat, zeigen sich jedoch auf den zweiten Blick neue Faktoren, die das Rennen wieder völlig offen gestalten.

Madrid hat mit der zweitbesten Bewertung eine gute Chance, die noch dadurch verstärkt wird, dass das vor 4 Jahren schon sehr gute Konzept noch weiter verbessert wurde. Bisweilen kommt es vor, dass das IOC solch einen Einsatz belohnt. Außerdem setzt sich der ehemalige IOC-Präsident und Spanier Juan Antonio Samaranch sehr für diese Bewerbung ein und seine Stimme hat nach wie vor viel Gewicht im IOC. Seine Lobby-Arbeit wird sich also durchaus positiv bei der Abstimmung auswirken. Weiterhin war Spanien erst einmal Ausrichter Olympischer Spiele. Aber genau darin liegt auch ein Nachteil: dies war erst 1992 in Barcelona, also gerade 24 Jahre vor den Spielen von 2016. Außerdem finden 2012 bereits Spiele in Europa statt, was allgemein als Auschlusskriterium gilt.

Chicago glänzt gleich mit mehreren Vorzügen. Zum einen genießt die Bewerbung der Great Lakes Metropole den größten Rückhalt in der Bevölkerung. Weiterhin präsentieren sich die potenziellen Spiele in Chicago als die 'grünsten' und damit ökologisch verträglichsten und nachhaltigsten, ein wichtiger Aspekt für das IOC. Von entscheidender Bedeutung aber könnte sich die Tatsache erweisen, dass Präsident Obama persönlich morgen die Kandidatur Chicagos, seiner Heimatstadt, in Kopenhagen unterstützen wird. Noch nie hat sich ein amerikanischer Präsident für eine Bewerbung um Olympische Spiele stark gemacht. Seine weltweiten Sympathien gelten als sicherer Stimmeenfang im IOC. Aber auch Chicago trägt eine große Last. Genau wie Madrid fanden auch hat auch Chicago mit dem Problem zu kämpfen, dass erste vor wenigen Jahren Spiele im eigenen Land stattgefunden haben (Atlante 1996).

Rio de Janeiro nimmt mit der schlechtesten Bewertung eine scheinbare Außenseiterrolle ein, jedoch sprechen auch viele Fakten für eine Ausrichtung in der Copacabana-Metropole. Erstes Augenmerk gilt hierbei der Tatsache, dass Olympische Spiele noch nie(!) auf südamerikanischem Boden stattgefunden haben. Als letzter Kontinent könnte sich nun also durch Rio de Janeiro der Kreis schließen und die Olympische Flagge auch in der Realität komplettieren. Weiterhin hat Rio de Janeiro mit der ausgezeichneten Aurichtung der Panamerica Games 2007 einen bleibenden Eindruck beim IOC hinterlassen. Daraus resultiert auch die Tatsache, dass bereits quasi eine Generalprobe stattgefunden hat und einige Wettkampfstätten, darunter das Herzstück 'Olympiastadion Joao Havelange', bereits fertig sind. Aber natürlich birgt auch die Bewerbung der ehemaligen brasilianischen Hauptstadt gefahren. Nicht nur gilt Rio de Janeiro als Verkehrsmoloch, woraus auch eine große Umweltbelastung und damit für Athleten ungünstige Luftverschmutzung resultiert, auch die hohe Kriminalität gilt als Hindernis für eine erfolgreiche Bewerbung.

Aussichtsreichster Kandidat ist Tokyo. Als einziger Bewerber hat die japanische Hauptstadt bereits Olympische Spiele ausgerichtet. (1964; erfolgreiche Bewerbung auch für 1940, wegen des 2. Weltkriegs dann aber abgesagt) Mit der besten Bewertung und dem nachhaltigsten Konzept der Nutzung der Wettkampfstätten kann sich Tokyo mit zwei vielleicht entscheidenden Kriterien absetzen. Als nachteilig gelten allerdings die ebenfalls große Belastung durch Verkehr und Verschmutzung sowie die erst im letzten Jahr in Asien ausgerichteten Spiele von Peking 2008.

Wie man sieht, hat jeder Bewerber sein Vorzüge und Nachteile. Welche Stadt letztlich den Zuschlag erhält, entscheidet sich morgen ab 17.00h (live auf Eurosport) in Kopenhagen. Ab 9.00h morgens präsentieren sich die Bewerberstädte, dies kann man live im Internet verfolgen. Welche Stadt ist dein Favorit?

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